Die Burda
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Die Dichtergärten in der Welt des Islam sind ebenso zahlreich wie unbekannt. Annemarie Schimmel

IN DEN DICHTERGÄRTEN DER WELT DES ISLAM

Von Azerbaijan bis Zimbabwe, auf der ganzen Welt, wird das Gedicht "Al-Burda" rezitiert. Ihre Verse verzieren die Wände etlicher Moscheen, selbst die Prophetenmoschee in Medina. Über 100 Kommentare haben die Gelehrten zur Burda geschrieben. Außerdem wurde das Gedicht in etliche Sprachen übertragen: Persisch, Urdu, Türkisch, Panjabi, Englisch, Französisch, Deutsch, Sindhi, Norwegisch, Malaiisch etc. Es ist in 10 Kapitel eingeteilt und besteht aus 160 Versen, die alle auf den arabischen Buchstaben "mim" enden (eine Reimart namens "Mimiya").

 

Autor der Burda

 

Der Autor dieses Werkes, Imam Sharaf ad-Din al-Busiri, wurde 696/1212 in Ägypten geboren und stammt von marokanischen Berbern ab. Weitere bekannte Poeme aus seiner Feder: "Mudariyya", "Muhammadiyya" und die "Hamziyya". [Daher stammt die Inspiration für den Projektnamen.]

 

Bedeutung

 

"Burda", was auf Deutsch so viel heißt wie Gewand, heißt das Gedicht, weil Imam Busiri einen speziellen Traum hatte (nachdem er durch einen Schlag teilweise gelähmt wurde). Sein Gesundheitszustand hielt ihn nicht davon ab die Burda zu schreiben. Er beabsichtigte damit eine größere Nähe zum Propheten, Allahs Segen und Frieden mit ihm, und bereute seine vergangene Lebenszeit, die er als Hofdichter seines Erachtens nach verschwendete. Er sang die Burda immer und immer wieder. Einmal schlief er dabei ein und träumte vom Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden mit ihm, der sein Gewand (oder Umhang bzw. Mantel) über Imam al-Busiri warf. Als der Imam erwachte, war er von der Lähmung komplett geheilt.

 

Qasida

 

Die Burda ist eine "Qasida": "Aller klassischen Poesie - im arabischen, Persischen und Osmanisch-Türkischen wie im Urdu - ist die Form des ghazal (Ghasel) und der qasida (Kassida) eigen, dichterische Gebilde in quantitierenden Versmaßen, die einen durchgehenden Reim besitzen [...]."

 

Aus der Einführung: Nimm eine Rose und nenne sie Lieder von Annemarie Schimmel, S. 13.

 

Die Burda: 1. Kapitel

Deutsche Übertragung von C. A. Ralfs

 

In dem ersten Kapitel schreibt Imam Busiri über seine lodernden Liebe zum Propheten Muhammad, Allahs Segen und Frieden mit ihm.

 

Riefst du dir deine Freunde zu Du-Salam ins Gedächtnis zurück,

sie, die in früheren Tagen deine teuren Nachbarn waren,

dass du die Tränenflut, die aus deinem Auge strömt,

endlich zu Blut hinzumischtest?

 

Oder traf es sich, dass der Wind von Kazima her zu wehen begann

und der Blitz in der Finsterniss von Idam her aufblinkte?

 

Wie kommt es denn, dass deine Augen, wenn du sprichst:

"Hemmt den Strom der Tränen!" nach wie vor Tränen entströmen lassen?

und dass dein Herz, wenn du sprichst: "Ermanne dich zu ruhiger,

klarer Besinnung!" nach wie vor wirr und sinnlos bleibt?

 

Glaubt der tränenreiche Verliebte etwa, dass seine Verliebtheit vor allem

und jedem verräterischen Ausbruche gewahrt sei,

wenn sie so weit hervorgebrochen ist, dass sie teils als strömende Tränenflut,

teils als glühendes Herz bei ihm sich äußert?

 

Wärest du nicht verliebt, so würdest du nicht gerade jene Spur

einer früheren Wohnstätte so viele Tränen ausströmen lassen,

und würdest nicht gerade dann die Nächte in unruhigen Schlafwachen

verbringen, wenn sich die Erinnerung an Al-Ban und Al-'Alam einstellt.

 

Wie wird es dir denn möglich sein, da alle und jede Verliebtheit

abzuleugnen, wo die vollgültigen, Tränenflut und Siechtum,

deine Verliebtheit bezeugen.

 

Und der Verliebtheit glühende Empfindungen in Zügen

gelb und rot wie Stieraug' und 'Anamsfrucht die beiden Urkunden,

Tränen und blasse Magerkeit, auf deine beiden

Wangen geschrieben haben?

 

Ja! Zu nächtlicher Stunde gekommen, tat das Traumbild dessen,

den ich liebe, es mir an, dass ich die Nächte in unruhigen

Schlafwachen verbringen muss; wie ja stets die Liebe ihre

Wonnen durch Schmerz verkümmert.

 

O du, der mich tadelt auf Grund der Verliebtheit, wegen der ich mich

doch dir gegenüber genügend entschuldigen kann!!

(Wäre es deine Weise, gerecht und billig zu verfahren,

würdest du nicht tadeln.)

 

Möge an dir vorübergehen, was mich getroffen hat -

mich, dessen Geheimniss den zwischenträgerischen Ohrenbläsern

bekannt geworden ist und dessen Krankheit nicht weichen will.

 

Du hast Worte der Ermahnung und des Rates an

mich gerichtet, allein ich höre auf diese Worte nicht;

denn der Verliebte ist gegen die Tadler taub.

 

Und sogar gegen das weiße Greisenhaar, einen Ermahner und Ratgeber

voll der lautersten Absichten, stieg, als er mich tadelte,

Verdacht in mir auf, und dies trotzdem, dass das weiße Greisenhaar

bei Ermahnung und Rat der Möglichkeit des

Verdachtes weiter als irgendjemand entrückt ist.

 

Denn meine das Böse gebietende Sinnlichkeit ließ in ihrem

tollen und törichten Sinn dir drohende Ankündigung,

die das weiße Greisenhaar und das hohe Alter überbrachten,

wirkungslos an sich vorübergehen.

 

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Allererste singbare Übersetzung ins Englische

 

Am 30. Oktober 2015 vollendete Mostafa Azzam dieses Werk, in das er reichlich Herzblut und Liebe steckte.

 

Was heißt denn Dichten?,

fragte einst der große in Urdu dichtende Poet namens Ghalib.

Ich will es dir sagen: Das Herzblut ziehen aus der Worte Adern!

 

Mostafa Azzam zog 1998 nach Damaskus, um dort Arabisch zu lernen und in die Lehren der Islamischen Wissenschaften einzutauchen. Dort kam er stark mit Gedichten, Liedern und dem islamischen Lobgesang in Kontakt. Er selbst erzählte: "Einmal, da lief ich in den Straßen von Damaskus, und wieder hörte ich den schönen Klang der Menschen, die den Propheten, Allahs Segen und Frieden mit ihm, priesen und besangen."

 

Als er 1999 nach Jordanien umzog, da fand er dieselben dichtenden und singenden Menschen vor, wie in Damaskus. "Sie alle feierten und besangen den Propheten, Allahs Segen und Frieden mit ihm", sagte er. Im Jemen fand er erneut nichts anderes, als jene Menschen. Auch in Ägypten, dasselbe. Die Burda gehörte stets zum Repertoire jener Poeten und Sänger; überall auf der Welt wird sie noch heute rezitiert und gesungen.

 

Mostafa Azzam sah es zu Anfang als eine Unmöglichkeit an die Burda innerhalb eines metrischen Schemas (in Reimen!) zu übersetzen. Doch die Idee ließ ihn nicht los. Seine Liebe für die Burda wuchs von Tag zu Tag, bis die Sehnsucht danach eines Tages überlief und er den Entschluss fasste, das Werk zu übersetzen. Trotzdem hielt er es immer noch für unmöglich, aber er selbst sagte: "Ist es nicht die Liebe, die das Unmögliche möglich macht?"

 

Sich selbst beschreibt Mostafa Azzam so: "Nur ein Typ, der versucht prophetische Liebe in der Welt zu verbreiten." Aus diesem Grund, vermutlich, steht das Werk jedem kostenlos zum Download zur Verfügung.

 

Die Burda vom Künstler Nader Khan gesungen

 

Nader Khan ist u. a. Sänger, Songschreiber und Arts Educator. Er singt Lieder, die aus den Dichtergärten der Welt des Islam stammen: Werke damaliger und gegenwärtiger Künstler. Ziemlich besonders dabei ist, dass seine musikalischen Umsetzungen unterschiedlichen Stilen folgen.

 

Er selbst sagt: "Meine Musik ist ein Mittel dafür, um die Welt durch die Inspiration und das Kreieren von Schönem zu einem besseren Ort zu machen."

 

Die Burda gesungen von Aida EL-Aiouby

 

Sie ist eine Ägyptisch-Deutsche Sängerin, Songschreiberin und Guitaristin. Aida wurde in Aachen (Deutschland) geboren und wuchs in Ägypten auf. Mit dem Lied "Ala Bali" (1991), das aus ihrem ersten Album stammt, ist sie bekannt geworden. Insgesamt hat sie drei Alben herausgebracht und auch die ruhmreiche Burda gehört zu ihrem Gesangsrepertoire.

 

V I S I T: www.aidaelayoubi.co

Burda Cover
Burda erstes Kapitel

Al-Burda von Imam Al-Busiri (Arabic)

Burda auf Englisch

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